FAQ

Wir klären die häufigsten Fragen auf dem Weg von Frau zu Mann!

Was ist überhaupt Trans*?

Trans* ist ein Überbegriff für Transsexuelle, Transidente und Transgender Menschen, die sich nicht oder nicht ganz mit dem Geschlecht identifizieren, welches ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

 

Welche Sexualität haben Transidente Menschen?

Die normalen Sexualitäten wie sonst jeder andere auch – hetero, schwul, lesbisch, bi, asexuell, pan, etc.. Da es im deutschen „Transsexualität“ heißt, kommt es sehr oft zu Missverständnissen. Transsexualität hat nichts mit der Sexualität zutun!

 

Ist Trans* eine psychische Krankheit?

Nein! Fälschlicherweise wird Trans* oftmals als psychische Krankheit aufgefasst. Dadurch kommt es zu einer Pathologisierung von Trans*- Menschen, z.B. durch die geforderte psychiatrische Begutachtung bei der Änderung der Vornamens und des Geschlechts-Eintrages. Rechtliche Grundlage hierfür ist das Transsexuellen Gesetz - TSG.

 

Wie oute ich mich am besten?

Das Outing ist in den meisten Fällen, das erste was auf diesem Weg passiert. Es ist mehr als verständlich, dass man hierbei etwas Angst hat. Schließlich weiß man nicht, wie die Person gegenüber darauf reagieren wird. Sucht euch einen ruhigen Moment oder outet euch per Brief. Überlegt euch auch gut, wer überhaupt davon wissen muss, denn nicht jeder braucht dies wissen.

 

Muss ich eine Therapie machen?

Ja! In Deutschland ist eine Therapie bezüglich Transsexualität notwendig. Momentan, gelten sog. Behandlungsempfehlungen von 18 Monaten Therapie, gemäß den noch gültigen MDS Richtlinien von 2009.

 

Wie finde ich einen Therapeuten/eine Therapeutin?

 

Hierbei kann das Internet sehr behilflich sein. Viele Trans* Seiten, führen eine Therapeutenliste. Ansonsten kann man einfach, wenn man denn welche kennt, andere Transgender in der Umgebung fragen, ob jemand einen Therapeuten kennt. Auch die Krankenkassen haben Therapeutenlisten, die man einfach anfragen kann.

 

Was wird beim Erstgespräch besprochen?

Hier wird meist besprochen, warum man denn da ist. Sprich, man erzählt dem Therapeuten/der Therapeutin, weshalb man die Therapie aufsucht. In unserem Fall, aufgrund unserer Transsexualität, bzw. um herauszufinden, ob man Trans* ist. Auch wird hier gefragt, was so in eurem Leben schon passiert ist, etc.

 

Was ist, wenn ich mit dem Therapeuten/der Therapeutin nicht klarkomme?

Es gibt sog. „Probesitzungen“ a 5 Sitzungen.  Diese Sitzungen dienen zum Kennenlernen. So könnt ihr rausfinden, ob ihr mit eurem Gegenüber klarkommt oder eher nicht. Seid ihr schon etwas länger in der Therapie und merkt es passt einfach nicht mehr, dann solltet ihr darauf achten, dass ihr eine Bescheinigung erhaltet, in der die Therapiezeit angegeben ist und um was es ging. Dies ist wichtig, für die spätere Kostenübernahme der Operationen.

 

Wer bezahlt die Therapie?

Die Kosten der Therapie übernimmt im Regelfall die Krankenkasse. Daher ist es wichtig darauf zu achten, dass der Therapeut/die Therapeutin eine Kassenzulassung besitzt.

 

Was ist ein Transsexueller Lebenslauf?

Ein Transsexueller Lebenslauf, ist ein einfacher Bericht über euer Leben als Trans* Person. Sprich wie ihr euch früher verhalten habt, wann ihr gemerkt habt, dass etwas nicht stimmt, euer Outing, etc.

 

Wie kann ich meinen Namen und mein Geschlecht rechtlich ändern?

Dies muss man – gemäß dem TSG - bei einem Amtsgericht, welches Personenstandsverfahren durchführt, beantragen.

 

Wie läuft so eine Namensänderung ab?

Man findet heraus welches Amtsgericht für einen zuständig ist, man stellt den Antrag dorthin in dem man 2 Gutachter vorschlagen kann (kein muss), die beiden Gutachter stellen eine Begutachtung auf zu Fragen, die das Gericht vorgibt, je nach Amtsgericht findet vor oder nach den Gutachten eine Anhörung statt, man bekommt den rechtskräftigen Beschluss und kann seine persönlichen Daten nun ändern

 

Muss man dieses gerichtliche Verfahren bezahlen?

Es kommt immer darauf an. Man kann sog. Prozesskostenhilfe beantragen, was auch zu empfehlen ist. Wenn man Glück hat, wird diese bewilligt. Ansonsten muss man meist in einen Vorschuss gehen oder das ganze per Raten abbezahlen. Hier ist zu beachten: Wenn man Prozesskostenhilfe bewilligt bekommt, ist man 4 Jahre lang dazu verpflichtet, dem Amtsgericht jegliche Veränderung über 100€ mitzuteilen - sowie das Gericht einen 4 Jahre lang überprüfen kann, ob man denn nun zahlungsfähig ist.

 

Wie lange dauert dieses Verfahren?

Man sollte mit ungefähr 6 Monaten rechnen.

 

Wann kann ich die Namensänderung beantragen?

Das Ganze kann man jederzeit beantragen. Man muss hierfür weder in Therapie noch auf Testosteron sein.

 

Wo darf ich vor der Namensänderung meinen neuen Namen schon verwenden?

Grundsätzlich über all. Bei offiziellen und amtlichen Dingen, solltet Ihr aber vorsichtig sein und lieber nochmal vor Ort nachfragen. Denkt bittet auch daran, dass sowas nur auf der Kulanz (Nettigkeit) des Gegenüber passiert. Wenn der nämlich sagt, er möchte das vor der Namensänderung nicht, dann müsst ihr das so akzeptieren, denn es ist sein gutes Recht damit zu warten, bis etwas rechtskräftiges vorliegt.

 

Wie bekomme ich Testosteron?

Testosteron bekommst du durch einen Arzt, in dem Fall einen Endokrinologen oder Urologen (in einzelnen Fällen auch Gynäkologen) verschrieben. Hierfür wird aber ein sog. Indikationsschreiben des Therapeuten vorausgesetzt, welches dem behandelnden Arzt vorgelegt werden muss.

 

Was sind Hormonblocker?

Vorne weg: Hormonblocker sind KEINE Pflicht! Hormonblocker sorgen dafür, dass das weibliche Hormon „Östrogen“ unterdrückt wird und somit bspw. die Periode aussetzt. Aber wie schon erwähnt ist dies keine Pflicht, sehr viel Transgender kommen auch sehr gut ohne zurecht. Wie man diese bekommt, ist unterschiedlich. In den meisten Fällen reicht ein einfaches Nachfragen beim Arzt. In anderen Fällen muss etwas vom Therapeuten ausgestellt werden. Deshalb können wir dazu nicht so viel sagen. 

 

Muss man zum Gynäkologen gehen?

Jaein. Nicht jeder von uns muss dort hin. Einige Endokrinologen oder Krankenkassen, möchten eine Untersuchung dort haben, um z.B. Intersexualität auszuschließen und ob mit den Organen alles in Ordnung ist. Oftmals reicht hier schon eine Ultraschall Untersuchung aus. Solange man die weiblichen Geschlechtsorgane (Gebärmutter + Scheide) noch hat, sollte man regelmäßig zu einer Kontrolle gehen, um zu überprüfen ob sich keine Zysten oder ähnliches bilden.

 

In welchen Formen gibt es Testosteron für uns?

In Deutschland werden 2 Formen für die gegengeschlechtliche Hormonbehandlung verwendet – Gel und Depotspritzen, in verschiedenen Dosierungen.

 

Wie werden die beiden Präparate verabreicht?

Das Gel wird täglich auf bestimmte Körperstellen (meist Oberarme oder Bauch) aufgetragen.

Die Depotspritzen gibt es als „kleines“ und „großes“ Depot. Die kleinen Depotspritzen werden ca. alle 2-6 Wochen und die große Depotspritze (Nebido) ca. alle 7-14 Wochen intramuskulär gespritzt.

 

Welches der beiden Präparate wirkt besser?

Keines! Es gibt kein besser oder schlechter. Testosteron wirkt auf jeden von uns individuell. Dadurch kann es durchaus passieren, dass beim einen oder anderen die Präparate unterschiedlich ihre Wirkung zeigen.

 

Was bewirkt Testosteron?

Es bewirkt, die Zunahme der Körperbehaarung, die Fettumverteilung, das Wachstum der Klitoris, das Ausbleiben der Regelblutung, die Zunahme der Muskelmassen/-Struktur, das Ausfallen des Haupthaares, Talgbildung (Akne), die Steigerung der Libido, etc.

Ein tatsächliches Einsetzen dieser Veränderungen, ist nicht 100% garantiert!

 

Was bewirkt Testosteron nicht?

Es bewirkt nicht, das Ändern der Chromosomen von weiblich zu männlich, die Knochenstruktur verändern, die weibliche Brust automatisch verkleinern, männliche Geschlechtsteile bilden, das Bilden von Samen bzw., Sperma, die Veränderung des Charakters, Körperwachstum.

 

Sollte man den Testosteronwert regelmäßig kontrollieren?

JA! Es ist sehr wichtig, dass ihr regelmäßig zum Blutabnehmen geht. Die Kontrolle des Testosteronwertes ist wichtig, um eine eventuelle Über- oder Unterdosierung zu erkennen oder die Dosierung anzupassen.

 

Kann man das Präparat später wechseln?

Ja, das Wechseln des Präparates ist jeder Zeit nach Absprache mit dem behandelnden Arzt möglich.

 

Welche Nebenwirkungen können von Testosteron auftreten?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind:

  • Akne,
  • Schmerzen am Verabreichungsort.

Häufige Nebenwirkungen sind:

  • übermäßige Vermehrung der roten Blutkörperchen,
  • Gewichtszunahme,
  • Hitzewallungen,
  • Akne,
  • Reaktionen an der Verarbreichungsstelle

Gelegentliche Nebenwirkungen sind:

  • Überempfindlichkeit,
  • verstärkter Appetit,
  • Veränderungen bei Blutergebnissen,
  • Depressionen, Gefühlsstörungen,
  • Schlaflosigkeit,
  • Unruhe,
  • Aggressivität,
  • Kopfschmerzen,
  • Migräne,
  • Störung in Herz und Gefäßen,
  • hoher Blutdruck oder Schwindel,
  • Bronchitis, Durchfall/Übelkeit,
  • Haarausfall,
  • Gelenkschmerzen,
  • Störung des Harntraktes,
  • Müdigkeit.

 

Welche Operationen gibt es auf dem Weg von Frau zu Mann?

  • Mastektomie (Entfernung der weiblichen Brust + Angleichung an eine männliche Brust),
  • Hysterektomie (mit/ohne Adnektomie oder Ovarektomie)(Entfernung der Gebärmutter inkl. Eierstöcke und/oder Eileiter),
  • Klitorispenoid (Metaidoioplastik),
  • Kolpektomie (Entfernung + (Teil-)Verschluss der Scheide),
  • Penoidaufbau(Rekonstruktion eines Penis aus körpereigenem Gewebe),
  • Hodensackformung (Skrotumplastik),
  • Eichelbildung (Glansplastik),
  • Einsetzen einer Erektionsprothese und/oder Hodenprothesen,
  • Spacer Einsatz (Präformierung der Harnröhre)

Muss man alle Operationen durchführen lassen?

Nein! Ob und welche Operationen man durchführen lässt, entscheidet jeder für sich selbst. Keiner schreibt irgendjemanden vor, was er zu machen hat und was nicht.

 

Welche Methoden gibt es bei der Mastektomie?

Sog. "kleine" Schnitte: 

  • Mamillenschnitt (ganz, halb oder 1/3 um die Brustwarze)
  • Transareolärer Schnitt 

Sog. "große" Schnitte:

  • Kombination aus Mamillenschnitt & Brustfaltenschnitt

 

Gibt es nach der Mastektomie eine Kompressionsweste?  

In den meisten Kliniken gibt es nach der Mastektomie eine sog. Kompressionsweste, welche für 6 Wochen getragen wird.

 

Welche Methoden gibt es beim Penoidaufbau?

Die Methoden beim Penoidaufbau in Deutschland sind, aus dem Unterarm mit und ohne Spacer, sowie aus dem Oberschenkel mit und ohne Spacer.

 

Was ist ein Spacer und wofür ist er da?

Der Spacer ist ein ca. 15 cm langes Röhrchen, ein Stück eines Beatmungsschlauches, welches unter die Haut gesetzt wird und die spätere Harnröhre bildet.

 

Was ist der Unterschied zwischen der Spacer Methode und der ohne?

Die Operation an sich, ist und bleibt die gleiche Operation! Der Penoid wird bei beiden Methoden gleich gebildet. Lediglich wird, wie oben schon erwähnt, die Harnröhre bei der Spacer Methode schon gebildet. Je nach Fall und Klinik, wird diese dann auch direkt mit angeschlossen. Dies ist aber nicht immer so. Ohne den Spacer, wird die Harnröhre eben erst in der Penoidaufbau OP gebildet und muss entsprechend erst einmal abheilen.

 

Kann man mit dem Klitorispenoid (Klitpen) im Stehen urinieren?

Jaein. Es gibt keine 100% Garantie dafür. Das Urinieren im Stehen erfordert einige Übung und ist in 99% der Fälle, lediglich mit heruntergelassener Hose ohne Probleme möglich.

 

Kann man mit dem Penoid Geschlechtsverkehr haben?

Ja! Viele Transmänner lassen sich eine sog. Erektionsprothese einsetzen, aber auch ohne diese Prothese ist Geschlechtsverkehr mit dem Penoid möglich.

 

Ab wann kann man Vorgespräche für die Operationen machen?

Vorgespräche können jederzeit durchgeführt werden.

 

Wie finde ich heraus, welche Klinik die Beste ist?

Dafür sind die Vorgespräche da. In diesen Gesprächen werden euch die Ärzte über die anstehenden Operationen aufklären, erklären was gemacht wird, Risiken und Komplikationen aufzählen und euch Bilder von Ergebnissen zeigen. Ihr müsst euch nach dem Gespräch oder schon während des Gesprächs gut aufgehoben fühlen, die Ergebnisse der Klinik müssen euch ansprechen, sowie die angewendete Technik oder Methode.

 

Wer übernimmt die Kosten der Operationen?

Die Kosten für die Operationen übernehmen die Krankenkassen, nachdem man diese dort beantragt hat.

 

Wie lange hat die Krankenkasse Zeit zu antworten?

Gemäß §13 Abs. 3a SGB V, hat die Krankenkasse eine Frist von 3 Wochen nachdem der Antrag auf Kostenübernahme dort eingegangen ist. Wird der Medizinische Dienst (MDK) eingeschaltet, muss die Krankenkasse euch darüber schriftlich informieren und die Frist verlängert sich auf insgesamt 5 Wochen. Bitte berechnet bei den Antworten immer einige Tage Postweg. Wie ihr genau die OPs beantragen könnt, erklären wir euch extra auf der Seite "Kostenübernahme".

 

Muss ich unbedingt in eine Klinik, die weiter weg liegt?

Nein. Jedoch sollte man gerade was die OPs angeht, auch weitere Wege in Kauf nehmen und nicht aus Bequemlichkeit in die nächste Klinik rennen.

 

Wie lange liegt man bei den Operationen ungefähr im Krankenhaus?

Je nach Klinik:

  • Mastektomie: 0-7 Tage,
  • Hysterektomie: 3-7 Tage,
  • Klitorispenoid/Kolpektomie: 7-14 Tage,
  • Penoidaufbau: 7-21 Tage,
  • Restliche OPs: ca. 7 Tage

 

Kann man mehrere Operationen kombinieren?

Ja. Je nach Klinik lassen sich verschiedene Operationen kombinieren. Welches Krankenhaus ob und welche OPs genau kombiniert, müsst ihr bitte dort selbst nachfragen oder uns (ein wenig Ahnung haben wir ja auch). Uns sind folgende Kombinationen bekannt:

  • Mastektomie + Hysterektomie (inkl. Adnektomie (A) oder Ovarektomie(O))
  • Mastektomie + Spacer Einsatz
  • Hysterektomie (inkl. A oder O) + Klitpen
  • Hysterektomie (inkl. A oder O) + Klitpen + Kolpektomie
  • Hysterektomie (inkl. A oder O) + Klitpen + Kolpektomie + Hodenaufbau
  • Klitpen + Kolpektomie
  • Klitpen + Kolpektomie + Spacer Einsatz
  • Klitpen + Kolpektomie + Hodenaufbau
  • Penoidaufbau + Harnröhrenanschluss
  • Harnröhrenanschluss + Hodenaufbau + Eichelbildung
  • Harnröhrenanschluss + Hodenaufbau + Eichelbildung + Kolpektomie
  • Harnröhrenanschluss + Eichelbildung
  • Hysterektomie (inkl. A oder O) + Kolpektomie + Harnröhrenanschluss + Hodenaufbau + Versenkung der Klitoris (nur im UKE Hamburg)